Art-Based Research

Art-Based Research ist – so wie auch Research-Based Art – ein weit gefasster Begriff mit hoher immanenter Methodentoleranz und bewusster inhaltlicher Offenheit. Wir wollen hier einige grundsätzliche Gedanken zu unserer künstlerischen Forschungshaltung formulieren. Basierend auf Shaun McNiffs „idea of researching human experience through the arts“ – eine Forschungsstrategie, die mit den klassischen Wissenschaften “the use of systematic experimentation with the goal of gaining knowledge” gemein haben sollte, zielt das Team von “(St)Age of Participation” auf einen Erkenntnisgewinn ab, der durch und während des Prozesses künstlerischer Praxis entsteht.

Künstlerische Auseinandersetzung führt auf den Ebenen der Wahrnehmung, der Emotion und des Intellekts neue Differenzierungen ein, experimentiert mit neuen Arten und Formen des Unterscheidens und erzeugt im Zuge dieser Prozesse neuartige ästhetische, emotionale oder gedankliche Konstellationen. Art-Based Research erfordert neben der intellektuellen Zuwendung also auch sensorische und emotionale Aufmerksamkeit. Fähigkeiten zur Reflexion auf diesen unterschiedlichen Ebenen betrachten wir daher als wichtige Skills aller inhaltlich mitwirkenden Projektteilnehmer.

Um, wie auch McNiff anregt, den künstlerischen Forschungsprozess und daraus resultierenden Erkenntnisgewinn für Dritte nachvollziehbar und methodisch wiederholbar zu gestalten, arbeiten wir mit einem simplen, jedoch systematischen und über die Dauer des Forschungsprojekts konstant zu haltenden Project Design. Die Erhaltung von Freiräumen für neue Ideen und Entdeckungen muss in diesem Kontext natürlich gewährleistet bleiben. Das gemeinsame Ziel soll es sein, Neuland zu betreten und dabei auf Dinge zu stoßen, die wir heute noch nicht wissen. Darum ist es auch wichtig, Fragen zu stellen und diese, falls nötig, im künstlerischen Forschungsprozess wieder umzuformulieren. Antworten wollen wir aus gegenwärtiger Perspektive ganz bewusst noch nicht geben.

Art-Based Research adressiert zwei Dimensionen – einerseits den Anspruch an Klarheit, Form und Methode, andererseits die vitale Basis des kreativen Schaffensprozesses, die zu überraschenden Ergebnissen führen kann und soll. Im Gegensatz zur künstlerischen Arbeit im privatwirtschaftlichen Kontext, wo dies nicht immer gewährleistet sein kann, sehen wir hier (allein schon durch die größeren Zeitressourcen) wertvolle Freiheiten im Forschungsprozess, die einen tiefgründigen Kompetenzaufbau im Labor-Setting und nicht zuletzt neue Strategien der künstlerischen Arbeitsweise ermöglichen.