About

“Today, the mass audience (the successor to the ‘public’) can be used as a creative, participating force. It is, instead, merely given packages of passive entertainment.”   
(Marshall McLuhan, 1967)

Seit Sommer 2011 untersucht das Ars Electronica Futurelabs gemeinsam mit Medienkünstler, Choreograf und Komponist Klaus Obermaier innovative Formen von Publikumsbeteiligung für die bühnenbasierte Medienkunst. „(St)Age of Participation“ lautet der Name des dreijährigen Projekts – eine Anspielung auf das gegenwärtige Paradigma von Social Media, User Generated Content und Kollaborationskultur im digitalen Raum. Als einzige nicht-universitäre Forschungseinrichtung konnte das Futurelab Ende 2010 hierfür eine FWF-Förderung der Programmlinie PEEK für künstlerische Forschung lukrieren.

Die Geschichte des Theaters zeigt, dass Dramaturgen aller Zeiten technische Innovationen ihrer Epoche nutzten, um künstlerische Darbietungen in hochemotionale Ereignisse zu verwandeln, um dem Publikum ein Gefühl der Sensation und Magie mit auf den Heimweg zu geben. Nun ist der Moment gekommen, in dem die moderne Bühnendramaturgie potenzielle Kompetenzen der Zuseher- und Zuhörerschaft als „creative, participating force“, wie McLuhan bereits 1967 konstatierte, im aktuellen technologischen Kontext reflektieren und konzeptuell integrieren sollte. Ein Schulterschluss mit der Medienkunst, die sich seit jeher mit Aspekten der Interaktivität und Partizipation auseinandersetzt, liegt auf der Hand.

Von der Tanz- und Medienperformance „Apparition“ (2004) bis Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ (2006) – das Ars Electronica Futurelab und Klaus Obermaier blicken auf eine erfolgreiche Geschichte gemeinsamer multimedialer Inszenierungen zurück. Dennoch wird mit (St)Age of Participation kreatives Neuland beschritten. Denn wo es im Rahmen interaktiver Einzel-Installationen bereits viel Erfahrung mit aktiver Publikumseinbindung gibt, bringt das Genre der bühnenbasierten, dramaturgischen Medienperformance weitreichendere Herausforderungen mit sich: die ästhetische, emotionale und intellektuelle Inszenierungsqualität darf sich trotz oder gerade wegen eventuell unvorhersehbarer Interventionen des Publikums nicht erschöpfen. Wenn Sounds, Visuals oder sonstige Inhalte in Echtzeit durch die Zuseher oder Zuhörer generiert werden, muss also trotzdem der Flow des Stückes erhalten – oder eben neu gedacht – werden. Dazu braucht es dynamische dramaturgische Konzepte für das triadische Zusammenwirken von professionellen Performern, Publikum und Technologie. Genauso wie neue technologische Tools und intuitiv verständliche Interaktionsmetaphern darum herum, damit Ursache und Wirkung des eignenen Mittuns auch nachvollzogen werden können. Dazu braucht es nicht zuletzt wohl auch eine Neuskizzierung des Bühnenbegriffs.

Der künstlerische Forschungsprozess bei (St)Age of Participation, der den Fokus auf eine modellhafte Konzipierung dynamischer Interaktionsdramaturgien legt, basiert einerseits auf einer Analyse und Weiterentwicklung potenziell wertvoller Technologien wie etwa Tracking Systemen, Laser Scans, Ambient Devices, 3D-Avataren oder auch Augmented-Reality-Apps. Darüber hinaus werden drei dramaturgische Experimental-Settings entworfen und mithilfe profesioneller Performancekünstler in mehreren Publikumsdurchläufen getestet. Jeder Testlauf wird aus künstlerischer, technologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive sowie aus Sicht des Publikums reflektiert. Ziel ist letztlich eine neue Qualität emotionaler und sozialer Einbindung in Kunsterlebnisse.

Credits:
Projektleitung: Christopher Lindinger & Klaus Obermaier
Projektteam Ars Electronica Futurelab: Roland Haring, Martina Mara, Veronika Pauser, Roland Aigner, Otto Naderer, Benjamin Mayr

Gefördert durch den FWF, Programmlinie PEEK, Programm-Management: Dr. Eugen Banauch.

Besonderen Dank an die Anton Bruckner Privatuniversität Linz, speziell an Prof. Rose Breuss/Institute of Dance Arts.